futura expulsa

Ein Photokunstprojekt zur Deportation aus Wien



Vertreibung und Holocaust sind nicht das Resultat des Sadismus einer kleinen Elite, sondern Ergebnis eines Konzepts der Bereicherung. An seiner Verwirklichung waren Tausende willige Handlanger des Regimes beteiligt. Hannah Arendt hat dieses Phänomen als die Banalität des Bösen bezeichnet. Diese Erkenntnis ist bis heute gültig und wird es bleiben.


Noch immer werden Menschen verfolgt. Auch in den demokratischen Staaten Europas. „futura expulsa“ will mit einfachen Mitteln ein Grundmuster aufzeigen und den schmalen Grat, auf dem nationalistischer Populismus wandelt, sichtbar machen. In „futura expulsa“ werden dreißig junge Menschen einzeln auf dem Platz der Opfer der Deportation gezeigt, nahe dem damaligen Ausgangspunkt für die Deportation der jüdischen Wiener und Wienerinnen. 


Die jungen Menschen tragen Alltagsgewand und haben ein Gepäcksstück bei sich, das die Kriterien des Handgepäcks internationaler Fluglinien erfüllt. Ein Barcode im A5-Format kennzeichnet die Personen.


Die Verfolgung von Menschen führt zur Vertreibung unserer Zukunft. Immer. Deportationen der Gegenwart mögen ein anderes Format haben als im Dritten Reich, aber die Gefahr bleibt bestehen. Vor allem, wenn wir nicht um sie wissen.


Die Bilder wurden im Herbst 2013 als Installation im öffentlich zugänglichen Einkaufszentrum „The Mall“ in Wien Mitte auf der Landstraßer Hauptstraße gezeigt.

Michael SchmidPhotography Vienna