Paarweise Aufstellung

Ein Photoprojekt zu assoziativen Sehgewohnheiten und traditionellen Bildern

Posieren zwischen Renaissance-Portrait und Selfie.

Seit der Renaissance spielt die Portraitdarstellung in der europäischen bildenden Kunst eine ganz besondere Rolle. Portraits dienen nicht nur dazu Menschen abzubilden. Sie vermitteln auch Kultureinstellungen und Lebenshaltungen. Waren in Renaissance und Barock die Portraits den Herrschenden und Vermögenden vorbehalten, verbreitert sich im Biedermeier mit dem erstarkenden Bürgertum auch der Zugang zu Portraitkunst. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lassen sich mit der aufkommenden Photographie auch einfache Leute portraitieren. Und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wendet sich die Kunst in der neuen Sachlichkeit ganz bewusst auch den Menschen von nebenan zu. Die aktuelle Selfie-Kultur mag als Weiterentwicklung des Selbstdarstellungdrangs gesehen werden, mitsamt der systemimmanenten Kommerzialisierung vieler Lebensbereiche.


Das Projekt „Paarweise Aufstellung“.

Paarportraits sind in Österreich vor allem mit der traditionellen Hochzeitsphotographie konnotiert. Das Projekt „Paarweise Aufstellung“ bricht die gelernten Sichtweisen und Zuordnungen auf. „Paarweise Aufstellung“ zeigt verschiedene Paare in der für sie kulturtypischen Erscheinung, eingebettet in das ihre Lebenssituation prägende Ambiente Krems. Als Vorgabe diente zum einen die tendenziell unbewegte Haltung traditioneller Paarportraits sowie zum anderen die Erkennbarkeit des Hintergrundes zur Schaffung einer vorstellbaren Lebensumgebung definiert. Die Paare trugen die Kleidung ihrer Wahl und hatten ein Extrautensil bei sich, das eine kulturspezifische Zuordnung ermöglicht. Die Paarzusammenstellungen umfassen die gesamte Bandbreite denkmöglicher Varianten. 

Das Projekt wurde 2017 gemeinsam mit „funkundküste - Kunst im Sozialen Raum“ realisiert.


Das Ziel.

D„Paarweise Aufstellung“ will zum Hinterfragen tradierter Sichtweisen und Denkmuster anregen. Zugleich soll über die klare Einbettung in ein erkennbares räumliches Szenario der Bezug zum Umfeld verdeutlicht und den Betrachtenden vor Augen geführt werden, welche Rolle die lokale Umgebung für die Lebensweise und das Sein der Menschen spielt. 

Michael SchmidPhotography Vienna